Politik

Es ist zwar ein recht verbreiteter Trend, aber in der Medizin ist er besonders augenfällig: die wachsende Kluft zwischen dem, was anerkannter Weise richtig wäre und dem, was tatsächlich getan wird.

Während die aktuelle medizinische Forschung den Menschen immer detaillierter als komplexes bio-psycho-sozialen Wesen begreift, degeneriert die praktische Medizin vor Ort unter dem Einfluss von Rationierungsdruck und "Managed Care" vielerorts zur "Flickschusterei". Eine Fülle hochspezialisierter Einzelleistungsangebote steht im krassen Gegensatz zum Gefühl vieler Patienten, weder im Zentrum des ärztlichen Interesses zu stehen, noch überhaupt als ganzer Mensch wahrgenommen zu werden.

Natürlich gibt es medizinisch-technische Untersuchungen und umschriebene Behandlungen (z. B. Antibiotikatherapie), die sich auch völlig ohne Kenntnis der Person und sogar bei unzufriedenen Patienten "erfolgreich" durchführen lassen. Aber dabei handelt es sich nicht um die Kerntätigkeiten eines Arztes. Ärzte, die ihren Beruf auf die Durchführung medizinisch-technischer Untersuchungen oder lokaler Eingriffe beschränken, agieren nach meinem Verständnis nicht als Ärzte, sondern als Laboranten oder Assistenten. Es wäre wichtig, dies jeweils klar zu benennen, um Patienten (und vielleicht auch?) Gesundheitspolitiker nicht zu verwirren.

Bei der erwiesenen Komplexität der Wechselwirkungen zwischen Organismen und Umwelt und ihrer Bedeutung für die Genese vieler Erkrankungen liegt es auf der Hand, dass es weder dem diagnostischen noch dem therapeutischen Prozess förderlich sein kann, Patienten wie Objekte der Medizinindustrie zu behandeln und das ärztliche Gespräch auf 3 Minuten zu begrenzen.

Wer heilen will, muss anders sehen lernen. Im Umgang mit psychischen kranken oder beeinträchtigten Menschen gilt dies in ganz besonderer Weise. Meine hier verlinkten Beiträge sollen dazu beitragen, Missstände und Defizite zu benennen, die mir in der praktischen Arbeit als Arzt und Therapeut als Heilungshindernis und prognostisches Risiko erscheinen. Sofern sie die psychiatrisch-psychotherapeutische Arbeit betreffen, sollen Sie auch helfen, Verständnis zu verbessern und Stigmatisierungen entgegen zu wirken

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